Reisefieber: Folge 2 A
Erzählerin: Erich und Erika Mustermann haben bei der Fernsehshow „Reisefieber” eine Reise durch Deutschland gewonnen. Die Reise ist für eine Familie mit Kindern, aber die Mustermanns haben ein kleines Problem: Sie haben keine Kinder. Deshalb haben sie ihre Nachbarn eingeladen, ein junges, frischverheiratetes Paar: Horst und Marianne Schultz. Sie müssen in einer Woche acht verschiedene Orte in Deutschland besuchen. Und sie müssen selbst herausfinden, wie die Reise weitergehen soll. Wenn sie in einer Woche alle Rätsel lösen und zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle sind, gewinnen sie den Hauptpreis bei „Reisefieber”. Ihre erste Aufgabe ist: Besuchen Sie den höchsten Berg in Deutschland, und essen Sie im Gipfelrestaurant.
Draußen, belebte Straße
Erika: Schatzi, bist du fertig?
Erich: Fertiger geht's nicht!
Marianne: Na, dann los!
Horst: Herr Mustermann … Vorsicht, Kamera!
Erich: Bitte sag' Vati zu mir, ja? Besonders vor der Kamera! Jetzt mußt du den Film zurückspulen!
Horst: Vati? Ich kenne Sie doch nur eine Stunde!
Erika: Aber wir müssen uns daran gewöhnen, daß wir eine Familie sind! Sonst machen wir in der Sendung nächste Woche noch einen Fehler, und es gibt einen Skandal!
Marianne: Wohin geht denn die Reise? Erika: Tja, das ist das Problem: Wir müssen auf den höchsten Berg in Deutschland.
Horst: Der höchste Berg in Deutschland? Wo ist der? Im Schwarzwald? Marianne: Nein! In den Alpen.
Erika: Natürlich! Jetzt weiß ich's! Das Matterhorn!
Marianne: Das Matterhorn ist 4.478 Meter hoch. Und in der Schweiz.
Erich: Wir müssen jemanden fragen. Oder wir brauchen einen Atlas. Oder ein Lexikon.
Marianne: Nicht nötig. Der höchste Berg inDeutschland ist die Zugspitze. 2.962 Meter hoch. Bei Garmisch-Partenkirchen, in Bayern.Horst: Donnerwetter! Woher weißt du denn das alles?
Marianne: Tja, das habe ich in der Schule gelernt. Horst: Komisch. In der Polizeischule lernt man so was nicht.
Übergangsmusik. Akustikwechsel: Bahnhofsgeräusche
Erich: Guten Tag. Bitte vier Fahrkarten nach Garmisch-Partenkirchen.
Bahnangestellter: Einfach oder hin und zurück?
Erich: Einfach.
Bahnangestellter: Viermal einfach nach Garmisch, Moment … hier. Sie müssen in München umsteigen. Gute Reise.
Erich: Danke.
Marianne: Mutti! Vati! Die Kamera läuft!
Horst: Hallo! Schaut mal hierher, in die Kamera!
Horst und Erich stoßen zusammen.
Erich: Horst, paß doch auf!
Horst: Entschuldigung, Vati!
Ansager: Der Intercity nach München fährt auf Gleis eins ab. Bitte einsteigen! Vorsicht bei der Abfahrt!
Übergangsmusik. Akustikwechsel: draußen, in den Bergen. Vögel zwitschern, ab und zu hört man eine Kuhglocke, ein Alphorn. Das Knirschen von Schritten. Die vier steigen auf den Berg, sie stöhnen und ächzen.
Horst: Herr … Herr Mustermann?
Erich: Psst! Sag … sag „Vati”!
Horst: Warum … warum fahren wir eigentlich nicht mit der Seilbahn?
Erich: Welche Seilbahn?
Horst: Na, die da drüben.
Erich: (irritiert) Also äh … die Seilbahn … ich, äh …Bewegung ist gesund!
Marianne: Mir tun die Füße weh!
Erika: Mir auch, Schatz. Können wir eine kleine Pause machen?
Erich: Ach was, keine Pause! Wir haben keine Zeit zu verlieren! Los, weiter!
Horst: Hören Sie mal, Herr … äh, Vati, das ist unsere Hochzeitsreise! Wir sind doch keine Sklaven!
Marianne: Horst, bitte! Fang doch keinen Streit an! Du bist doch sportlich.
Erika: Und du, Schatz, sei nicht so streng mit den Kindern!
Erich: Streng? Wenn .. wenn ich mit meinen 65 Jahren auf diesen Berg steigen kann, dann können die Kinder das wohl auch
Horst: Vorsicht, Kamera!
Erich: Jetzt hör schon auf mit dem blöden Ding! Du brauchst ja nicht alles zu filmen!
Marianne: Ist es denn noch weit bis zu dem Restaurant?
Erich: (versöhnlich) Nein. Höchstens eine Stunde. Oder eineinhalb.
Erika: (flüstert) Es tut mir leid, Marianne. Mein Mannist sonst nicht so. Eigentlich ist er ganz nett. Er ist nur aufgeregt, weil wir doch bald ins Fernsehen komme
Horst: Da haben Sie … ich meine, da habt ihr ganz schön Glück gehabt, daß ihr die Reise gewonne habt, Mutti und Vati! Es gibt doch bestimmt Tausende von Leuten, die beim Wettbewerb mitmachen!
Erika: (stolz) Ja, ein Riesenglück haben wir gehabt! Wir haben nämlich gar nicht mitgemacht!
Horst: Was? Ihr habt gar nicht mitgemacht?
Erich: Nein. Wir haben einfach so gewonnen. Ohne eine Postkarte zu schreiben.
Horst: Aber wie ist denn das möglich? Das geht doch gar nicht!
Erich: Wahrscheinlich waren es Bekannte von uns. Aber wir haben nicht weiter danach gefragt. Wir fanden den Witz ziemlich geschmacklos, weil wir doch keine Kinder haben.
Erika: Aber dann haben wir ja euch gefunden!
Marianne: (unterbricht sie) Horsti! Mir ist schlecht! Ich glaube, ich muß … (sie würgt, kann sich aber beherrschen)
Horst: Liebling! Marianne! Was ist denn?
Marianne: Ich weiß nicht. Ich fühle mich so komisch.
Horst: Vielleicht ist es die Luft hier oben. Wir sind jafast 3.000 Meter hoch! Hier, nimm ein bißchen Lakritze. Das hilft.
Marianne: Danke!
Das Knistern einer Lakritztüte. Dann hört man eine Weilenur Schritte.
Marianne: Endlich!
Horst: Das Restaurant!