Reisefieber: Folge 3 B
Horst: Vorsicht, Kamera!
Marianne: Hier drin darf man nicht filmen. Das ist doch ein Museum!
Horst: (beleidigt) Ich darf ja nie filmen! Ihr seid gemein!
Beethoven: (er spricht sehr laut und sehr voll von sich selbst) Meine Damen und Herren, mein Name ist Ludwig van Beethoven, mit zwei „e” und „v”. Herzlich willkommen in meinem Haus in Bonn. Hier sehen Sie das Klavier, auf dem ich früher immer gespielt habe. Hier habe ich meine frühen Werke komponiert. Wie Sie ja sicher wissen, bin ich dann mit 22 Jahren als fertiges Genie nach Wien umgezogen, im Jahre …
Jemand klimpert die ersten Töne von „Für Elise” auf dem Klavier.
Beethoven: (laut und ärgerlich) Hallo! Bitte lassen Sie das! Bitte das Piano nicht anfassen! Wo war ich stehengeblieben?
Erich: (flüstert wütend) Horst, Finger weg! Du bist doch kein kleines Kind mehr!
Horst: (flüstert wütend zurück) Herr Mustermann, sprechen Sie nicht in diesem Ton mit mir! Ich bin schließlich Polizist!
Erich: (flüstert) Das ist mir vollkommen egal, ob du Polizist bist! Jetzt bist du sieben Tage lang mein Sohn, und wenn ich sage: „Finger weg!”, dann nimmst du die Finger weg, verstanden?
Horst: Jawohl, Herr … Vati.
Beethovens Mobiltelefon piepst (Melodie: „Für Elise”), er nimmt ab.
Beethoven: (telefoniert laut) Ludwig van Beethoven …Ah, guten Tag Herr Breitkopf! … Gut, danke. Und Ihnen? Was? Die letzten 100 Takte der neuen Sinfonie? … Also, wissen Sie, ich habe überhaupt keine Inspiration. Burnout, verstehen Sie. Mir fällt überhaupt nichts ein. Absolut nichts. … Herr Breitkopf, ich habe eine Idee! Nennen Sie die Sinfonie doch einfach die „Unvollendete”! Wie bitte? … Ach so, die „Unvollendete” gibt es schon. Von Franz Schubert. Ich verstehe. … (er seufzt) Na dann … In Ordnung. Ich schicke Ihnen die letzten 100 Takte nächste Woche … nächste Woche, ja. Alles klar, Herr Breitkopf. Auf Wiederhören!
Beethoven beendet das Telefongespräch.
Erika: Schau doch mal, Schatz! Diese süßen Hörner da an der Wand!
Marianne: Herr van Beethoven! Ich wußte gar nicht, daß Sie auch Horn gespielt haben! Beethoven: (laut) Was? Sprechen Sie lauter!
Marianne: (brüllt ihn an) Ich wußte gar nicht, daß Sie auch Horn gespielt haben!
Beethoven: (laut und indigniert) Das sind keine Hörner, meine Dame. Wie Sie vielleicht wissen, bin ich schon sehr jung krank geworden. Ich habe mein Gehör verloren, was für einen Komponisten natürlich ziemlich unangenehm ist. Seit dem Jahr 1819 bin ich fast völlig taub. Und diese Hörner, meine Dame, sind meine Hörrohre.
Man hört ein langgezogenes Tuten, wie aus einemAlphorn.
Beethoven: (laut und schrill) Bitte nichts anfasse. Wissen Sie, was diese Objekte wert sind? Sie sind nschätzbar!
Erich: Horst!
Horst: (kleinlaut) Entschuldige, Vati. Bitte verzeihen Sie, Herr van Beethoven.
Beethoven: (halbwegs beruhigt) Wenn Sie mir bitte folgen wollen. Vorsicht, die Tür ist sehr niedrig. In diesem Zimmer wurde ich 1770 geboren. Sie sehen, daß ich als Baby sehr einfach lebte. Mein einziger Luxus war diese Babybadewanne aus Porzellan. Diese Badewanne hat das Beethovenhaus hier in Bonn erst vor einem Jahr vom Beethoven-Museum in Wien gekauft, für die horrende Summe von einer Million …
Die Babybadewanne fällt mit lautem Gepolter auf den Boden.
Erich: (tobt) Horst!
Horst: Ich hab' gar nichts gemacht! Wirklich, ich schwör's! Ich hab' das Ding nicht angefaßt! Die ist ganz von selbst …
Beethoven: (außer sich vor Wut) Gehen Sie! Raus! Alle vier! Verschwinden Sie aus meinem Haus! Und kommen Sie nicht wieder! Raus!
Akustikwechsel: draußen, Straße. Die vier gehen zu Fuß die Straße entlang. Man hört einen Straßenmusiker auf einer schlecht gestimmten Gitarre spielen. Er spielt eine jämmerliche
Version von „Freude schöner Götterfunken”. Die vier kommen näher, die Musik wird lauter.
Marianne: (den Tränen nahe) Horst! Das ist alles deine Schuld!
Horst: Aber Liebling, ich hab' doch gar nicht gemacht!
Marianne: Ach was! Immer mußt du alles anfassen!
Erich: Den Hauptpreis, den können wir vergessen. Und das schon am zweiten Tag unserer Reise.
Erika: Was machen wir denn jetzt?
Erich: Ja, das war's dann wohl. Wir fahren nach Hause.
Marianne: Unsere Hochzeitsreise! Horst, du hast alles kaputtgemacht!
Horst: Vorsicht, Kamera! Lächelt mal, ihr drei!
Marianne: (wütend) Gib die Kamera her, Horst! Jetzt.
Die vier stehen jetzt unmittelbar vor dem Straßenmusiker.
Erika: Schatz!
Erich: Erika?
Erika: Gib doch dem jungen Mann eine Mark, damit er Musikunterricht nehmen kann.
Erich: Na gut. Hier ist eine Mark.
Er wirft dem Musiker eine Mark in den Hut. Der Musiker hört auf zu spielen.
Musiker: Herr Mustermann?
Erich: Ja?
Musiker: Herzlichen Glückwunsch! Sie haben die zweite Aufgabe gelöst! Ihre nächste Aufgabe ist: Finden Sie das älteste Auto der Welt.
Erich: (verwirrt) Was?
Musiker: Suchen Sie das älteste Auto der Welt! Das ist alles!
Erika: Moment, warten Sie doch! Was ist das für ein Auto? Hallo? Warten Sie doch!
Marianne: Weg ist er.
Erich: (grübelt) Hm … das älteste …
Horst: … das älteste Auto der Welt!
Studioakustik
Erzählerin: Das ist also die nächste Aufgabe für die Mustermanns: Finden Sie das älteste Auto der Welt.
Schlußmusik