Reisefieber:  Folge 1 A                                         

In einer Wohnung. Im Wohnzimmer läuft der Fernseher, man hört das Gebrüll eines Stadions voller Fußballfans. In der Küche pfeift ein Wasserkessel.

Erich: (aus der Küche) Schatz?

Erika: (im Wohnzimmer) Ja?

Erich: Möchtest du auch einen Tee?

Erika: Ja, gern!

Der Wasserkessel verstummt, Geschirr klappert. Erich kommt ins Wohnzimmer. Er stellt Tassen und Teller auf den Sofatisch. Das Gebrüll der Fußballfans geht inzwischen weiter.

Erich: Hier. Ich habe uns auch ein paar belegte Brote gemacht.

Erika: Aber doch nicht mit Butter?

Erich: Nein, Schatz. Mit Margarine.

Erika: Danke, Schatz. Das ist lieb

Erich: Schalt' doch mal um, bitte. Es fängt gleich an.

Erika wechselt mit der Fernbedienung den Kanal. Man hört die Erkennungsmelodie der Show Reisefieber”.

Moderator: Hallo und herzlich willkommen, liebe Zuschauer! Jetzt heißt es wieder: „Reisefieber”!

Studioapplaus

Moderator: Wie immer schicken wir auch heute eine Familie mit Kindern auf eine spannende, spontane Reise durch Deutschland. Aber erst wiederholen wir noch einmal die Regeln unseres Reise- und Ratespiels. Regel Nummer eins: Sie müssen sofort losfahren, noch heute abend. Nicht lange packen, sondern einfach los! Und eine Videokamera müssen Sie mitnehmen. Wenn Sie keine haben, leihen oder kaufen Sie sich eine. Sie müssen ihre Rätselreise filmen, damit wir dem Publikum zeigen können, wie Sie die Aufgaben gelöst haben. 

Studioapplaus

Moderator: Regel Nummer zwei: Die Reise dauert genau eine Woche lang und hat acht Stationen. An jeder Station finden Sie einen Hinweis, einen Tip, ein Rätsel. Sie müssen selbst herausfinden, was Ihr nächstes Reiseziel ist. Und wenn Sie alle Rätsel richtig lösen, treffen wir uns in einer Woche bei unserer nächsten Sendung. Und: Sie gewinnen den Hauptpreis

Studioapplaus

Moderator: So, und jetzt die Postkarten, bitte!

Trommelwirbel. Ein großer Sack mit Postkarten wird ausgeschüttet.

Moderator: Sie sehen, wir haben auch diesmal Tausende von Postkarten bekommen. Wer wird gewinnen? Wer geht heute abend auf Reisen?

Trommelwirbel

Moderator: Unsere Gewinner heißen … Augenblick, die Schrift hier ist sehr schwer zu lesen: Mö … nein, der Name ist „Mustermann”! Ja, Mustermann mit zwei  „n”. Familie Mustermann aus Frankfurt! Frankfurt in der Musterstraße 5. Herzlichen Glückwunsch, Familie Mustermann!

Fanfare und sehr langer Studioapplaus. Erich und Erika erschlucken sich an ihren belegten Broten, husten und prusten.

Moderator: Bevor wir die erste Aufgabe für die Familie Mustermann verraten, sehen wir uns erst einmal den Film an, den die Gewinner der letzten Woche gemacht haben. Film ab, bitte!

Der Film beginnt. Erich und Erika erholen sich langsam von ihrem Hustenanfall.

Erika: Das …

Erich: Das …

Erika: Das sind doch …

Erich: Das sind doch wir!

Erika: Schatz? Hast du …

Erich: Ja, Schatz?

Erika: Hast du die Postkarte geschrieben?

Erich: Nein! Warst du das nicht?

Erika: Ich? Nein!

Erich: Moment mal – das muß ein Fehler sein. Ein Irrtum!

Erika: „Familie Mustermann aus Frankfurt, Musterstraße 5”. Nein, Schatz. Das sind wirklich wir!

Erich: Aber – wer hat die Postkarte geschrieben?

Erika: Keine Ahnung! Aber das ist doch auch nicht wichtig. Hauptsache, wir haben gewonnen! Ist das nicht toll?

Erich: Ja! Endlich passiert mal etwas Spannendes! Wir müssen sofort packen! Wo ist meine

Reisetasche?

Erika: Im Kleiderschrank im Schlafzimmer. Was soll ich denn anziehen für die Reise?

Erich: Egal. Irgendwas. Wir können ja unterwegs etwas kaufen. Das Fernsehen bezahlt alles! Los geht's, Schatz, schnell!

Erika: Wenn wir es schaffen!

Erich: Natürlich schaffen wir das!

Musik. Studioapplaus 

Moderator: Das waren also die Kandidaten der letzten Woche. Hoffentlich lösen auch die Mustermanns alle Rätsel richtig und sind nächsteWoche hier in unserer Live-Sendung! Und hier ist die erste Aufgabe für die Mustermanns – aufgepaßt: Besuchen Sie den höchsten Berg Deutschlands. Essen Sie im Restaurant auf dem Gipfel. Dort bekommen Sie dann die zweite Aufgabe. Verstanden? Ich wiederhole: Besuchen Sie das Restaurant auf dem höchsten Berg Deutschlands. Essen Sie dort – natürlich sind Sie unsere Gäste, das Fernsehen bezahlt alles. Oben auf dem Berg bekommen Sie die nächste Aufgabe. Sind Sie fertig für die Abreise? Also dann: Achtung – fertig – los!

Fanfare

Erich: Mach den Fernseher aus, Schatz. Wir haben genug gehört. Und wir haben es eilig!

Der Fernseher verstummt.

Erich: Der höchste Berg in Deutschland – was ist denn das für ein Berg?

Erika: Ich weiß: der Mount Everglade!

Erich: Nein! Erstens heißt der Mount Everest, und zweitens ist er irgendwo in Amerika! Darum hat er ja auch einen englischen Namen!

Erika: (erschrocken) Erich!

Erich: (grübelt) Hmmm?

Erika: Erich, Schatz, wir … wir können nicht fahren.

Erich: Was? Warum nicht? Warum können wir nicht fahren?

Erika: Wir sind doch keine Familie.

Erich: Was meinst du?

Erika: Na, der Moderator hat doch gesagt: „Familie Mustermann”.

Erich: Na und?

Erika: Aber wir haben doch gar keine Kinder!

Erich: Ein schlechter Scherz.

Erika: (weinerlich) Was?

Erich: Na, wer immer die Postkarte geschrieben hat, hat sich einen schlechten Scherz mit uns erlaubt!

Erika: (fängt an zu heulen) Und alles nur wegen dir!

Erich: Was machen wir denn jetzt?

Erika: Na, Kinder natürlich! Oder wenigstens ein Kind!

Erich: (seufzt reumütig) Schatz, das schaffen wir nicht!  Wir müssen doch sofort abreisen!

Erika: (heult lauter) Da siehst du! Ich wollte immer Kinder haben! Und nur wegen dirhaben wir keine. Du hast ja immer nur an deine Arbeit gedacht! Und jetzt, wo du pensioniert bist, guckst du den ganzen Tag Fernsehen!

Erich: (tröstend) Aber Schatz, reg' dich doch nicht so auf! Mir fällt bestimmt was ein.

Erich holt eine Bierdose aus dem Kühlschrank, reißt sie auf und nimmt einen riesigen Schluck. Dann atmet er erfrischt durch.

Erich: Genau!

Erika: Was?

Erich: Komm mit!

Übergangsmusik. Dann Akustikwechsel: Erich